Prof. Dr. Matthias Steinbach

Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar!

Es ist ein Kriegerdenkmal anderer Art, das der Geschichte vor 1918 nachweint, der „guten alten Zeit“. Es zeigt auch die Sicht des Kriegsverlierers.

Es gedenkt unterschwellig auch der Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Man kann Zeiten nicht aus ihren Mentalitäten vertreiben. Heute können wir das Thema Kolonialismus kritisch sehen. Damals sahen es die Menschen anders. Wir, ich tue mich manchmal etwas schwer mit diesem Begriff, haben heute andere Fragen an das Denkmal.

Arbeiten, Aktionen und Projekte rund um das Denkmal sind positiv zu bewerten. Ich befürworte einen kritischen Umgang mit der Geschichte vor Ort.

Der Mensch muss sich kritisch mit seiner Geschichte auseinandersetzen. Das Entfernen von historischen Zeugnissen würde diese notwendige Auseinandersetzung unmöglich machen. Außerdem widerstrebt es dem Habitus des Historikers, solche Quellen wie das Kolonialdenkmal den Menschen unzugänglich zu machen oder gar zu zerstören.

Man muss das Denkmal aus seiner Zeit verstehen. Es zeigt die Mentalität der Weimarer Republik, des Kriegsverlierers. Man muss es außerdem auch als Kritik an Versailles verstehen. Das deutsche Selbstbewusstsein war zu dieser Zeit verwundet. Der Löwe ist anfällig geworden.




Technische Universität Braunschweig
Historisches Seminar, Abteilung für Geschichtsdidaktik
14.05.2015