Lars Müller



Geschichtslernen mit Denkmälern? Das Beispiel des Braunschweiger Kolonialdenkmals



 
Denkmäler werden errichtet, um die Erinnerung an bestimmte Ereignisse oder Personen(gruppen) aufrecht zu halten. Als Historiker kann man nicht nur etwas über die jeweilige Gesellschaft und den historischen Kontext, in dem es entstanden ist, ableiten. Es bietet sich auch an, nach dem späteren Umgang mit den jeweiligen Denkmälern zu fragen, denn das Braunschweiger Kolonialdenkmal galt lange als „vergessenes“ Denkmal. Für den Unterricht bietet seine wechselhafte Geschichte und Rezeption reiches Material, um mehr über den Umgang mit der Kolonialvergangenheit zu lernen: Die Errichtung des Denkmals in der Weimarer Zeit und die Verknüpfung mit der Forderung nach der Rückgabe der Kolonien; seine Einbettung in Aufmärsche in der Zeit des Nationalsozialismus; die weitgehende Ignorierung des Denkmals in der Bundesrepublik; und schließlich die zunehmenden Diskussionen um das Denkmal ab den 1990er Jahren – diese Nutzung des Denkmals bzw. die kritischen Aktionen um das Denkmal stehen beispielhaft für die Behandlung des (deutschen) Kolonialismus in der Bundesrepublik.

 
Das Braunschweiger Kolonialdenkmal hat es daher – exemplarisch – in der einen oder anderen Form auch in die Schule „geschafft“. So wurde in einer didaktischen Zeitschrift 1993 ein Schülerprojekt zur Geschichte des Denkmals besprochen – hierbei ging es um die Auseinandersetzung mit dem Kolonialdenkmal im Besonderen und Denkmälern im Allgemeinen. In einem Geschichtsschulbuch aus dem Jahr 2011 wurde die Aufgabe an die Schülerinnen und Schüler gerichtet, sich mit seiner Entstehungsgeschichte und mit seinem Umgang nach 2000 kritisch zu beschäftigen. Beide Fälle illustrieren wie das Braunschweiger Denkmal – jenseits des geographischen Ortes – durch verschiedene Medien seinen Weg ins Klassenzimmer finden kann.
 

 
Literatur: 
Bein, Reinhard: Das vergessene Kolonialdenkmal in Braunschweig, in: Praxis Geschichte, H.1, 1993, 51-53.


Abschied von den Kolonien?, in: Zeit für Geschichte, Band 9/10, Gymnasium Niedersachsen, Braunschweig: Schroedel, 2011, 68.



Lars Müller
Georg-Eckert-Institut - Leibnitz-Institut für internationale Schulbuchforschung
02.06.2016