Geschichte

Aufstellung, Versetzung und Vergessen

Initiiert durch den „Verein ehemaliger Ostasiaten und Afrikaner“ wurde in der Braunschweigischen Landeszeitung vom 01. April 1925 ein Spendenaufruf geschaltet, der die Finanzierung eines Kolonialdenkmals ermöglichen sollte.

Dieser Verein ist als Interessenvertretung der Menschen zu sehen, die im Rahmen des deutschen Kolonialismus in Afrika und Asien tätig waren, z.B. im Militär, in der Verwaltung oder in Handel und Wirtschaft.

Was das Selbstverständnis und die Intention dieses Vereins angeht, wird häufig davon gesprochen, dass Deutschland längerfristig und vor allem aus wirtschaftlicher Sicht ohne Kolonien nicht überlebens- beziehungsweise konkurrenzfähig sei. Somit sei deutsches Engagement in den Kolonien legitim und die Interessen der Kolonisten seien in der Bevölkerung unbedingt zu vertreten.

In dem Aufruf, beziehungsweise in der Begründung zur Schaffung des Kolonialdenkmals wird konkret vom Gedenken an die in den Kolonien gefallenen deutschen Soldaten gesprochen. Weiterhin wird die Forderung nach der Wiederbeschaffung der deutschen Kolonien kommuniziert. Beide Aspekte lassen sich direkt am Denkmal vorfinden.

Der Entwurf stammt hierbei von Herman Flesche, der seit 1924 den Lehrstuhl für Baukunst an der Technischen Hochschule Braunschweig inne hatte. Modelliert wurde es vom Bildhauer Jakob Hoffmann, der seit 1913 Zeichnen und Modellieren an der TH Braunschweig unterrichtete.

(Repro Braunschweigisches Landesmuseum, I. Simon)

Die Einweihung fand am 13. beziehungsweise 14. Juni 1925 statt. Auf einen Festabend im Konzerthaus folgte hierbei ein Gottesdienst, sowie die Denkmalsweihe am nächsten Tag. Hierzu gehörten auch Reden von Gästen, unter anderem von Vertretern des Kolonialkriegerbundes, von Adeligen und Angehörigen des mittleren Bürgertums.


(Repro Braunschweigisches Landesmuseum, I. Simon)

Unter anderem sprach der Herzog Friedrich von Mecklenburg direkt an: „Wir kämpfen ohne Unterlass für unseren Kolonialbesitz.“ Der Landesverbandsführer des Stahlhelm, Wilhelm Uhlenhaut, forderte: „Heraus mit unseren Kolonien!“


(Repro Braunschweigisches Landesmuseum, I. Simon)

1936 wurde das Denkmal schließlich von seinem ursprünglichen Standort am Ende der Kaiser-Wilhelm-Straße in den Stadtpark versetzt. Dies wiederum hing mit der Straßenverlängerung zusammen, die eine direkte Verbindung vom Nussberg zum Braunschweiger Dom schaffen sollte. Dieses Bauvorhaben zählt ganz klar in die Kategorie der nationalsozialistischen Prestige-Projekte, in deren Zuge auch weitere Aufmarsch-Plätze, Straßen und Plattformen in Braunschweig entstanden.

Nach dem Krieg geriet das Denkmal nach und nach in Vergessenheit. Zunächst wurden lediglich einige Steine und Balken vor Ort entfernt, welche wiederum bei der Reparatur von Kriegsschäden zum Einsatz kamen. Trotz der alliierten Anordnung von 1945, man solle alle nationalsozialistischen und militärischen Denkmäler und Straßennamen entfernen, blieb das Braunschweiger Kolonialdenkmal in seiner damaligen Form komplett erhalten und geriet bis etwa 1990 weiter in Vergessenheit.