"Zeit|Zonen" Sammelstelle für Geschichte[n]


Das Denkmal zeigt, dass die Geschichte auch Ecken und Kanten hat, die man aushalten muss.



Es geht nicht ums Schleifen, es geht nicht darum, eine Gedenktafel daneben aufzustellen, wie viele Tote der Kolonialismus zu verantworten hat. Sondern es geht darum, ernsthaft - dabei aber trotzdem entspannt - und kreativ mit den Artefakten der Vergangenheit umzugehen.

Es gibt ein Denkmal. Das ist eine Quelle. Und die hat man ernst zu nehmen. Die kann man auch nicht wegkommentieren. Die kann man nicht immer eindeutiger einordnen, sodass man ihr alle Ecken und Kanten nimmt, sondern man muss sich damit befassen, weil sie eben ein Mehrwert hat. Sowohl für die Wissenschaft, als auf für die Vermittlung. Weil man daran zeigen kann, dass die Geschichte auch Ecken und Kanten hat, die man aushalten muss.

Um die Aktualisierung eines solchen Denkmals zu fordern, muss es auch ein gesellschaftliches Bedürfnis danach geben. Ansonsten finde ich es auch schön, wenn solche Artefakte auch verwittern. Solange dieses Bedürfnis nicht oder nicht mehr besteht, finde ich es schön und tröstlich, wenn sich so eine Patina, der Mantel der Geschichte, auch darüber legt und die Denkmäler, ihres ursprünglichen Gehaltes völlig entkleidet und nackt, als Artefakte in der Stadt stehen.

Interessant sind auch mehr die Geschichten rund um dieses Denkmal. Und zwar quer durch die 91 Jahre seines Bestehens, inklusive der  Beweggründe des Menschen, der das Denkmal vor 12 Jahren besprüht hat. Denn streng genommen ist das ein Zeugnis eines tief sitzenden Bedürfnisses, mindestens der Person, die das da drauf geschmiert hat. Außerdem wäre es interessant zu erfahren, was einen Lehrer heute dazu bewegt, mit dem Denkmal zu arbeiten.


Benedikt Einert
Dr. Michael Ploenus
Braunschweig, 07.07.2015