"Verhüllung macht sichtbar"

13 Schüler und 2 Lehrer der IGS Franzsches Feld kam im Sommer 2006 zusammen, um in einer Arbeitsgemeinschaft, ein Kunstprojekt zum Kolonialdenkmal zu erarbeiten. Das gemeinsame Anliegen der Schüler und Lehrer Astrid Schrobsdorff und Fredegar Henze war es, das eher unbekannte Denkmal etwas mehr in das Bewusstsein der Menschen zu bringen. Dazu nahmen sie das Wort Denkmal kurzerhand auseinander und schufen damit das Motto ihrer Aktion: "Denk mal anders"

Man könne die Aussage des Denkmals, dem Gedenken an die verlorenen Kolonien und der dort gefallenen Kolonialsoldaten nicht ohne Weiteres stehen lassen. Außerdem kritisierten die Schüler, dass bis in das Jahr 2003 jährlich zum Volkstrauertag Kränze für die Soldaten am Denkmal niedergelegt worden, die von 1904 bis 1907 das Volk der Herero zur Häfte vernichtet hätten. Daher sollte die Aktion zu einem kritischen Umgang mit dem Denkmal und der Thematik des Kolonialismus anregen. 

Das seit Juli 2006 verhüllte Denkmal wurde zudem mit Spruchbändern ergänzt, die zum Nachdenken anregen sollten. Das erste Spruchband enthielt ein Zitat des deutschen Erstbesteiger des Kilimandscharo: "Der Kilimandscharo heißt jetzt Kaiser-Wilhelm-Spitze. Er ist der höchste Berg Deutschlands." Diese Zitate wurden in regelmäßigen Abständen gewechselt. 



[Homepage IGS FF]

Die Aktion verfehlte ihre Wirkung nicht. Sie hat auf das Denkmal aufmerksam gemacht. Wenn auch manchmal nicht im eigentlichen Sinne der Erfinder. Zwischenzeitlich wurde das Kunstprojekt mit einem rechtsradikalen Spruch beschmiert, in den Sommerferien sogar zerstört. Ein Unbekannter zerschnitt die Verhüllung, sodass eine neue Plane gekauft werden musste. 


[Freiburg-Postkolonial]

Am 05.10.2006 wurde das Denkmal dann feierlich wieder enthüllt:

"Am 5. Oktober war es soweit: Nachdem ein Vierteljahr lang das Kolonialdenkmal an der Jasperalle verhüllt war und mit mehreren Zitaten versehen wurde, enthüllte die Kolonialdenkmal-AG unserer Schule wieder den "Stein des Anstosses". Dass die Aktion in Zusammenarbeit mit dem Kulturinstitut der Stadt Braunschweig ein Stück Kunst war, mit dem man sich auf irgendeine Weise auseinandersetzen musste, wurde auch leidvoll deutlich: ein offensichtlich der rechten Szene nahestehender Besucher hatte unerkannt die Verhüllung mit einem rechtsradikalen Spruch versehen und in den Sommerferien wurde die Verhüllung sogar komplett zerstört. Dadurch musste eine neue Plane angefertigt werden, was den Etat des Projektes komplett erschöpft hat. So konnte die geplante dauerhafte Ergänzung des Denkmals mit einem Automaten mit der Überschrift "Kolonialwaren" nicht mehr umgesetzt werden. Dieser Automat soll FAIR-TRADE-Waren enthalten, die auf die bis in die heutige wirtschaftliche Abhängigkeit der ehemaligen Kolonialstaaten aufmerksam machen soll. Das "Automaten-Projekt" soll aber umgesetzt werden, sobald die Finanzierung geklärt ist.
Der Enthüllungsakt wurde durch Reden der Kolonial-AG und der stellvertretenden Bezirksbürgermeisterin eingeleitet. Zusätzlich waren noch Stände aufgebaut, bei denen Speisen, Fair-Trade-Produkte und Informationen von Amnesty-International und vom Friedensbündnis zu bekommen waren. Auch an diesem Nachmittag ließen sich wieder Passanten und Gäste auf interessante Gespräche zum Denkmal und zum Kolonialismus ein.
Die Kolonialdenkmal-AG dankt ganz herzlich dem Bezirksrat, dem Kulturinstitut, dem Friedensbündnis und der Künstelerin Petra Förster, die ideell, materiell oder finanziell das Projekt mit großem Engagement unterstützt haben."
[Homepage IGS FF]




Braunschweiger Zeitung vom 19.07.2006