"Die Toten kommen"




Zwischen Sonntag, dem 21.06.2015 und Mittwoch, dem 24. 06.2015 haben Unbekannte vor dem Kolonialdenkmal ein Grab ausgehoben.

Die Aktion ist Teil der bundesweiten Protestaktion „dietotenkommen“, die –in Berlin begonnen- in ganz Deutschland symbolische Gräber für die vor den Grenzen Europas umgekommenen Flüchtlinge anlegt und unter dem Hashtag #dietotenkommen im Internet verbreitet wird.

Ins Leben gerufen wurde der Protest vom „Zentrum für politische Schönheit“. In einem Ankündigungsvideo behaupten die Künstler, sie hätten 10 Leichen von Flüchtlingen in Europa exhumiert, um sie mitten in Berlin menschenwürdig zu bestatten.


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Bewusst spielen sie dabei mit der Frage nach Fiktion und Wirklichkeit. So bleibt am Ende offen, ob es in Berlin tatsächlich echte Bestattungen gegeben hat. In verschiedenen Medien ist die Rede von der Beerdigung einer syrischen Mutter mit ihrer Tochter in Berlin-Gatow am Dienstag, dem 16.06.2015. Bei dem am Sonntag, den 21.06.2015 stattgefundenen „Marsch der Entschlossenen“ huben hunderte Demonstranten schließlich symbolische Gräber vor dem Berliner Kanzleramt aus.
 

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Warum genau das Kolonialdenkmal in Braunschweig als Ort der Protestaktion gewählt wurde, kann bisher nur spekuliert werden, da sich noch niemand zu der Aktion geäußert hat. 
Eine mögliche Argumentationsline könnte so aussehen:

Ein Großteil der Flüchtlinge, die versuchen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, kommen aus Afrika. Viele der afrikanischen Staaten sind ehemalige Kolonien, die z.T erst in den 1960er Jahren oder noch später unabhängig wurden. Viele dieser Staaten wurden seit ihrer Unabhängigkeit mehr oder weniger autokratisch regiert und von Korruption unterwandert, was zu Krieg, Armut und Hunger bei der Bevölkerung geführt hat. Diese dramatischen Zustände, die sich bis heute in diesen Ländern halten, führen zur massenhaften Flucht der Menschen nach Europa. Nach häufig monatelanger, lebensgefährlicher Reise ertrinken viele Flüchtlinge vor den Grenzen Europas unter den Augen europäischer Politiker. Das Kolonialdenkmal, das heute noch den ehemaligen Deutschen Kolonien gedenkt, wird daher als Aufstellungsort der Gräber gewählt, um diese Verbindung aufzuzeigen.